Nach ruhigen Tagen auf dem Kōyasan führte mich meine Reise weiter nach Nara.
Die Stadt ist vor allem für ihre Tempel und die frei laufenden Rehe bekannt.
Kulinarisch hatte sie allerdings ebenfalls einiges zu bieten.
Meinen ersten Abend verbrachte ich in einem außergewöhnlich schönen Restaurant.
Zu Beginn wurden acht kleine Gerichte serviert. Nicht alles traf meinen persönlichen Geschmack, einige Komponenten waren dafür herausragend.
Der Höhepunkt war das Rindfleisch aus der Region Nara.
Ich bekam drei dünn geschnittene Stücke aus Schulter, Roastbeef und Oberschale. Am Tisch stand ein eigener heißer Stein, auf dem ich das Fleisch selbst braten konnte.
Das hochwertige Yamato-Rind war unglaublich zart und aromatisch. Dazu gab es verschiedene fermentierte Beilagen, darunter eine kräftige Würzpaste aus fermentiertem Getreide und Sojasauce, die mich an mein Essen im Tempel erinnerte.
Gemeinsam mit einem Bier aus Nara war das ein sehr gelungener erster Abend.
Am nächsten Morgen besuchte ich zunächst ein kleines Café.
Zum ugandischen Kaffee bestellte ich einen Keks mit einer frischen Lemon-Curd-Füllung. Noch stärker als Kaffee und Gebäck blieben mir allerdings die Besitzer in Erinnerung.
Wir kamen miteinander ins Gespräch und zum Abschied schenkten sie mir sogar eine kleine selbst gefaltete Origami-Figur. Es war eine kurze Begegnung, aber eine, die den gesamten Tag besonders machte.
Manchmal braucht es dafür nicht mehr als ein gutes Gespräch und zwei herzliche Menschen.
Anschließend verbrachte ich mehrere Stunden im Nara-Park.
Die Rehe laufen dort vollkommen frei zwischen Tempeln, Wegen und Besuchern umher. Ich schlenderte ohne großes Programm durch den Park, beobachtete die Tiere und konnte einige von ihnen sogar streicheln.
Nach den großen Städten und den vielen kulinarischen Terminen der vergangenen Tage tat es gut, einfach etwas Zeit zwischen den Tieren und den Grünflächen zu verbringen.
Später ging ich noch durch die Stadt und besuchte eine der typischen japanischen Spielhallen. Ich probierte verschiedene Automaten aus und versuchte mein Glück. Gewonnen habe ich zwar nicht viel, unterhaltsam war es trotzdem.
Am Abend folgte dann das bisher enttäuschendste Restaurant meiner Reise.
Das Lokal war eigentlich sehr gut bewertet. Der servierte Lachs wirkte jedoch alt, vollständig durchgegart und noch einmal aufgewärmt. Auch die übrigen Gerichte konnten diesen Eindruck nicht mehr retten.
Natürlich kann auf einer so langen kulinarischen Reise nicht jedes Essen hervorragend sein. Nach den vielen außergewöhnlichen Erfahrungen in Tokio, Kyoto, Osaka und auf dem Kōyasan fiel der Unterschied allerdings besonders deutlich auf.
Zurück in meiner Unterkunft probierte ich deshalb noch eine Packung UFO-Instant-Yakisoba, die mir zuvor immer wieder in japanischen Supermärkten aufgefallen war.
Sie schmeckten tatsächlich besser als viele Instantnudeln, die man aus Deutschland kennt. Mit einer frisch zubereiteten Schale Ramen oder Yakisoba aus einem Restaurant konnten sie aber natürlich nicht mithalten.
Immerhin war meine neue Unterkunft ausgesprochen schön, geräumig und sauber.
Am letzten Morgen in Nara wollte ich unbedingt noch einen berühmten Mochi-Laden besuchen.
Dort konnte ich beobachten, mit welcher Geschwindigkeit und Präzision der Mochiteig geschlagen und gewendet wurde. Im Vergleich zu allem, was ich zuvor gesehen hatte, war das noch einmal ein anderes Niveau.
Der frisch zubereitete Mochi war so weich, dass er beinahe in den Händen zerfloss. Gefüllt war er klassisch mit süßer roter Bohnenpaste.
Einfach, frisch und unglaublich gut.
Bevor es zurück nach Tokio ging, stand noch ein letzter Punkt auf meiner Liste: Ramen.
Über Tabelog hatte ich ein Lokal gefunden, das zu den bestbewerteten Ramen-Restaurants in Nara gehörte. Serviert wurde eine kräftige Schweinebrühe mit Tofu und Hackfleisch.
Die Ramen waren intensiv, würzig und unglaublich lecker. Nach dem Essen konnte ich mich sogar noch mit dem Koch über einige der verwendeten Zutaten unterhalten.
Damit bekam meine Zeit in Nara doch noch den kulinarischen Abschluss, den ich mir erhofft hatte.
Anschließend fuhr ich zurück nach Tokio.
Während der Zugfahrt hatte ich endlich freie Sicht auf den Fuji. Bei meiner ersten Gelegenheit war der Berg noch vollständig von Wolken verdeckt gewesen.
Dieses Mal konnte ich seine fast vollkommen gleichmäßige Form und selbst aus großer Entfernung die feinen Strukturen an seinen Hängen erkennen. Ich hatte unterschätzt, wie beeindruckend ein einzelner Berg wirken kann.
Bei meiner nächsten Japan-Reise möchte ich mir deshalb bewusst Zeit nehmen, den Fuji von einem guten Aussichtspunkt aus zu erleben.
Nara war ruhiger und überschaubarer als Tokio, Kyoto oder Osaka. Meine Erfahrungen mit den Menschen waren gemischt: Einige wirkten etwas verschlossener, andere begegneten mir mit einer Herzlichkeit, die ich nicht vergessen werde.
Genau das gehörte ebenfalls zu dieser Reise.
Es muss nicht jeder Restaurantbesuch perfekt und nicht jede Begegnung außergewöhnlich sein. Gerade dadurch bleiben die wirklich besonderen Momente im Gedächtnis: das Origami im kleinen Café, die Rehe im Park, der fast schmelzende Mochi und eine hervorragende Schale Ramen zum Abschied.
Nara würde ich auf jeden Fall wieder besuchen.
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