Japan-Reise,
Tag 18 und 19

Eine verborgene Bar, Sushi und Monjayaki in Tokio

Nach meiner Zeit in Nara fuhr ich mit dem Shinkansen zurück nach Tokio.

Meine Reise näherte sich langsam ihrem Ende.

Doch gerade an diesen beiden Tagen erlebte ich die Stadt noch einmal von einer Seite, die mir ohne die Menschen vor Ort vermutlich verborgen geblieben wäre.

Eine Nacht im Manga-Kapselhotel

Für meine erste Nacht zurück in Tokio hatte ich ein Manga Art Hotel in Kanda gebucht.

Dabei handelte es sich um ein Kapselhotel, dessen Schlafplätze von Regalen voller Mangas umgeben waren. Besonders komfortabel fand ich es nicht. Trotzdem war die Kapsel überraschend geräumig und für eine Nacht konnte man diese besondere Form der japanischen Übernachtung durchaus einmal ausprobieren.

Am Abend zog ich noch ein wenig durch Kanda, aß eine Kleinigkeit und trank ein paar Bier.

Tagsüber ist das Viertel stark von Büros und Geschäftsleuten geprägt. Nach Feierabend füllen sich jedoch die kleinen Restaurants und Izakayas. Gemeinsam mit den Kollegen essen und trinken zu gehen, gehört für viele japanische Angestellte fest zum Arbeitsalltag.

Dabei stellte ich wieder einmal fest, dass manche Japaner offenbar nicht besonders viel Alkohol vertragen. Mitunter sieht man spät am Abend jemanden schlafend am Straßenrand liegen. Gleichzeitig wurde mir erzählt, dass Passanten solchen Menschen gelegentlich sogar eine Flasche Wasser danebenstellen.

Diese selbstverständliche Fürsorge passte zu vielen Erfahrungen, die ich während meiner Reise gemacht hatte.

Ein Tempel mitten in Tokio

Am nächsten Morgen setzte ich mich zunächst mit meinem Laptop in ein Café und erledigte einige Arbeiten für Shellsons.

Anschließend besuchte ich einen kleinen Tempel in der Nähe von Kanda. Nach den intensiven vergangenen Wochen tat es gut, noch einmal einen ruhigen Ort mitten in der Großstadt zu finden.

Danach fuhr ich nach Shinjuku. Dort war ich mit Kōichi verabredet, einem Tourguide, mit dem ich zuvor bereits über Instagram geschrieben hatte.

Wir verstanden uns auf Anhieb.

Pferdesashimi und außergewöhnlicher Sake

Kōichi lud mich zunächst in ein Izakaya ein. Wir saßen im oberen Stockwerk und konnten von dort in die offene Küche hinunterblicken.

Serviert wurden verschiedene kleine Gerichte, darunter fermentierte Vorspeisen, Garnelen, Shiitake und Pferdefleisch-Sashimi.

Rohes Pferdefleisch hatte ich zuvor noch nie gegessen. Es war sehr dünn aufgeschnitten und geschmacklich deutlich feiner, als ich erwartet hatte. Eine ungewöhnliche Erfahrung, die ich durchaus noch einmal machen würde.

Dazu tranken wir Bier und einen ausgesprochen guten Sake. Ich hatte während meiner Reise bereits einige Sorten probiert, die mir gefielen. Dieser gehörte allerdings zu den besten.

Doch Kōichi hatte für den Abend noch etwas ganz Besonderes geplant.

Eine Bar, die man nicht einfach betreten kann

Anschließend nahm er mich mit in eine kleine Bar, in die man offenbar nur gelangt, wenn man die Besitzerin persönlich kennt.

Sie führte das Lokal zu diesem Zeitpunkt bereits seit 53 Jahren. Früher hatte sie mehrere Bars betrieben, inzwischen nur noch diese eine. Zu ihren Gästen sollen im Laufe der Jahre zahlreiche bekannte Persönlichkeiten und Politiker gehört haben.

Was in der Bar gesprochen wurde und wer dort wen traf, blieb in der Bar.

Nach Kōichis Aussage war ich vermutlich der erste Deutsche, der das Lokal jemals betreten hatte. Allein deshalb fühlte sich der Abend außergewöhnlich an.

Wir tranken, sangen Karaoke und bekamen von der Besitzerin immer wieder kleine Gerichte serviert. Es gab Nudeln, kleine Fische, verschiedene Snacks und gegrillten Aal.

Dieser Aal war eines der besten Dinge, die ich während meiner gesamten Japan-Reise gegessen hatte. Er war unglaublich weich, aromatisch und gleichzeitig wunderbar gegrillt.

Noch wichtiger als das Essen waren allerdings die Gespräche und das Gefühl, für einen Abend Zugang zu einem kleinen Stück echter Tokioter Geschichte bekommen zu haben.

Ich war Kōichi sehr dankbar, dass er diesen besonderen Ort mit mir teilte.

Mein erster Sushi-Kochkurs

Am nächsten Morgen ging ich frühstücken, arbeitete noch etwas am Laptop und besuchte anschließend meinen ersten Sushi-Kochkurs.

Wir bereiteten verschiedene klassische Formen zu, darunter Nigiri, Maki und Temaki, die von Hand gerollten Sushi-Tüten.

Dabei lernte ich viel über die Zubereitung des Reises, das Formen der einzelnen Stücke und den Umgang mit den frischen Zutaten. Der Kurs war nicht besonders lang, gab mir aber einen guten Einblick in die handwerklichen Grundlagen.

Gemeinsam mit einigen Teilnehmern aus Australien probierte ich anschließend natürlich alles, was wir zubereitet hatten.

Wiedersehen mit Leo

Am Abend traf ich Leo wieder, den Koch aus meinem Ramen-Kurs zu Beginn der Reise.

Gemeinsam besuchten wir ein Restaurant, in dem die Gäste direkt am Tisch auf einer heißen Platte kochten. Dort probierte ich Monjayaki, eine Spezialität aus Tokio und gewissermaßen die flüssigere Verwandte des Okonomiyaki.

Die Zutaten werden mit einer kräftigen Dashi-Brühe vermischt, die unter anderem mit Kombu, getrockneten Shiitakepilzen und Katsuobushi angesetzt werden kann. Anschließend wird alles auf der heißen Platte gegart.

Anders als Okonomiyaki bleibt Monjayaki relativ weich und beinahe flüssig. Man nimmt es portionsweise direkt von der Platte auf.

Optisch ist das Gericht zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Geschmacklich war es allerdings intensiv, würzig und voller Umami.

Dazu probierte ich Bonjiri, das besonders fettreiche und saftige Fleisch vom Schwanzansatz des Huhns. Direkt auf der heißen Platte gegrillt, war es außen leicht knusprig und innen ausgesprochen zart.

Und natürlich gab es auch eine ganze Menge Bier.

Nach dem Essen zeigte mir Leo noch das nächtliche Tokio, bevor er weiter nach Yokohama musste.

Für mich war der Abend allerdings noch nicht ganz beendet. Ich traf mich erneut mit Kōichi auf ein Bier, denn ich wollte ihm unbedingt noch ein kleines Geschenk überreichen: ein Gewürzglas von Shellsons.

Nach allem, was er mir gezeigt und ermöglicht hatte, war es nur eine kleine Geste. Mir war aber wichtig, mich damit noch einmal persönlich bei ihm zu bedanken.

Tokio durch die Augen anderer

Diese beiden Tage zeigten mir noch einmal, wie sehr eine Reise von den Menschen geprägt wird, denen man begegnet.

Ohne Kōichi hätte ich die verborgene Bar und ihre Besitzerin niemals kennengelernt. Ohne Leo hätte ich Monjayaki vermutlich einfach als weiteres Gericht auf einer Speisekarte wahrgenommen.

Durch beide bekam ich einen persönlicheren Zugang zu Tokio. Nicht nur zur Küche, sondern auch zu den Geschichten, Traditionen und Menschen dahinter.

Kurz vor dem Ende meiner Reise fühlte sich das wie ein besonderes Geschenk an.