Japan-Reise,
Tag7 und 8

Abschied von Kyoto und Ankunft in Osaka

Auf der Suche nach japanischen Messern

Nach dem außergewöhnlichen Kaiseki-Erlebnis im KINMATA war ich am Montag noch so geflasht, dass ich gar nicht mehr versuchte, möglichst viel Programm in den restlichen Tag zu packen.

Stattdessen steckte ich mein Handy weg und ging noch einmal zum Nishiki-Markt. Ich war bereits am Vortag dort gewesen, hatte aber längst nicht alles gesehen. Also ließ ich mich durch die langen Marktgassen treiben, probierte verschiedene Streetfood-Spezialitäten und schaute mir mehrere Messergeschäfte an.

Ein japanisches Messer möchte ich auf dieser Reise auf jeden Fall kaufen. Festlegen wollte ich mich aber noch nicht. Ich werde weitere Geschäfte besuchen, verschiedene Messer in die Hand nehmen und vergleichen, welches am besten zu mir passt. Schließlich geht es nicht nur um die Optik, sondern auch um Stahl, Verarbeitung, Gewicht und das Gefühl beim Arbeiten.

Am Abend folgte noch eine Schale Ramen. Dieses Mal war es eine klare Brühe mit Schweinefleisch und einer deutlichen Ingwernote. Optisch waren die Ramen wunderschön, geschmacklich für mich allerdings etwas zu bitter. Vielleicht war genau das beabsichtigt, vielleicht ist an diesem Tag aber auch einfach etwas zu viel Ingwer in der Brühe gelandet.

Ein letzter Morgen in Kyoto

Am nächsten Morgen ließ ich es ebenfalls ruhig angehen. Bis zehn Uhr musste ich auschecken, vorher besuchte ich noch einmal das kleine Café, in dem ich inzwischen bereits zum dritten Mal zu Gast war.

Der Kaffee wurde dort mit einer Leidenschaft zubereitet, die man selbst bei einer einfachen Tasse schwarzen Kaffees schmecken konnte. Genau solche Orte sind es, zu denen man auf Reisen gerne zurückkehrt: nicht nur wegen des Produkts, sondern wegen der Menschen dahinter.

Anschließend lief ich noch einmal durch die Tempelanlagen rund um Kiyomizu-dera. Dabei nahm ich eine wunderschöne Strecke, die mich von einem Tempel zum nächsten und schließlich zurück zu Naomi und ihrem Teeladen führte.

Ich hatte ihr als kleines Dankeschön ein Glas unseres Currygewürzes aus Deutschland mitgebracht. Danach kaufte ich noch einige Dinge für die Teezubereitung, die mich künftig an meine Teezeremonie in Kyoto erinnern werden.

Der zweite Versuch am schweren Eisenstab

Natürlich musste ich auch noch einmal zu den berühmten Eisenobjekten zurückkehren, die mit dem Kriegermönch Benkei in Verbindung gebracht werden.

Am Vortag war die Schlange zu lang gewesen. Dieses Mal wollte ich wissen, ob ich den großen Eisenstab tatsächlich anheben kann.

Die kurze Antwort lautet: nein.

Ich konnte ihn leicht bewegen, aber nicht wirklich vom Boden heben. Wer den Versuch sehen möchte, findet das Video auf unserem Instagram-Kanal. Immerhin weiß ich nun, dass diese Kraftprobe tatsächlich so schwierig ist, wie sie aussieht.

Außergewöhnliche Duck Noodles

Bevor ich Kyoto verließ, stand noch ein kulinarischer Termin an. Ich hatte vorab Kontakt zu einem Restaurant aufgenommen und durfte dort einen Blick in die Küche werfen, filmen und mit dem Team sprechen.

Serviert wurden dicke Nudeln mit Ente, Ei und einer fruchtigen Mandarinensauce. Dazu kam ein leichter Espuma. Selbst die Herkunft der einzelnen Zutaten war sorgfältig ausgewählt: Die Nudeln wurden aus deutschem Vollkornweizen hergestellt, die Ente stammte aus Kyoto und auch das Ei kam aus der Region.

Die Kombination war ungewöhnlich, modern und unglaublich lecker.

Besonders spannend war für mich das Gespräch mit dem Team. Das Unternehmen plant, im kommenden Jahr einen Standort in Paris zu eröffnen und anschließend weitere Teile des europäischen Marktes zu erschließen. Auch Deutschland ist langfristig im Gespräch. Mit dem General Manager werde ich deshalb auf jeden Fall in Kontakt bleiben.

Mitten im Feierabendverkehr nach Osaka

Danach holte ich meinen Koffer ab und stieg in den Zug nach Osaka. Die Fahrt dauerte nur etwa 40 bis 45 Minuten. Etwas anstrengender wurde der Weg vom Bahnhof bis zu meiner Unterkunft.

Mit einem riesigen Koffer geriet ich mitten in den japanischen Feierabendverkehr. Vor den Zügen bildeten sich lange, geordnete Schlangen. Weil die Bahnen teilweise im Abstand von nur wenigen Minuten fahren, verlief trotzdem alles erstaunlich reibungslos.

In Osaka stieg ich zunächst an der falschen Haltestelle aus. Rückblickend war das ein glücklicher Fehler, denn dadurch landete ich in der Tenjinbashisuji, der mit rund 2,6 Kilometern längsten überdachten Einkaufsstraße Japans.

Zwischen kleinen Geschäften und unzähligen Restaurants lief ich einen großen Teil der Passage entlang, bevor ich mich weiter in Richtung meiner Unterkunft bewegte.

Osaka zeigt sofort seinen eigenen Charakter

Schon während dieses ersten Spaziergangs wurde deutlich, wie anders Osaka im Vergleich zu Kyoto wirkt.

Kyoto begegnete mir häufig ruhig, traditionsbewusst und beinahe feierlich. Osaka war vom ersten Moment an laut, bunt, direkt und voller Energie.

An den Straßen und Kanälen reihten sich Laternen, Bars und Restaurants aneinander. Überall gab es Streetfood, Fleischspieße und natürlich Takoyaki. Teilweise standen tatsächlich Hunderte Lokale beinahe ohne Unterbrechung nebeneinander.

Osaka gilt nicht ohne Grund als Küche Japans. Als frühere Handels- und Wirtschaftsstadt zog sie Geschäftsleute und Gastronomen aus vielen Regionen an. Daraus entwickelte sich eine vielseitige Esskultur, die bis heute stark mit der Stadt verbunden ist.

Die Menschen wirkten ebenfalls etwas lockerer. Es ging weniger förmlich zu als in Kyoto oder Tokio. Hier wird man auch einmal angerempelt, ohne dass sofort eine ausgiebige Entschuldigung folgt. Trotzdem blieb die Atmosphäre freundlich und angenehm.

Eine erste Nacht zwischen Izakayas und Streetfood

Eigentlich wollte ich in der Unterkunft nur kurz meinen Koffer abstellen und mich hinlegen.

Nach einer kurzen Pause war ich allerdings wieder hellwach und lief schließlich bis etwa halb drei durch die Straßen. Überall entdeckte ich neue Bars, kleine Restaurants und Izakayas.

Diese traditionellen japanischen Gaststätten hatte ich zuvor bereits in einer etwas gehobeneren Form erlebt. In Osaka wirkten sie deutlich ursprünglicher und verruchter: eng, lebendig, laut und voller Menschen, die gemeinsam Bier tranken und kleine Gerichte bestellten.

Genau das hatte seinen eigenen Charme.

Mein erster Eindruck von Osaka war deshalb ziemlich eindeutig: Diese Stadt ist wild, aufregend und kulinarisch beinahe überwältigend. Hier gibt es mehr Restaurants und Streetfood, als man während eines einzigen Aufenthalts ausprobieren könnte.

Ich freue mich darauf, es trotzdem zu versuchen.