Nach der intensiven Ramen Class brauchte ich zunächst eine kleine Pause. Doch schon wenige Stunden später zog es mich wieder hinaus. In Shinjuku erwarteten mich die berühmte 3D-Katze, winzige Bars, Sushi vom Fließband und traditionelle Garküchen. Am nächsten Tag folgte schließlich eines meiner bislang besten Essen in Japan und eine Begegnung, die unser späteres Kursmenü unmittelbar beeinflussen wird.
Nach der Ramen und Gyoza Cooking Class war ich so überwältigt von den vielen Eindrücken, dass ich zunächst zurück ins Hotel ging und mich für eine Stunde ins Bett legte.
Das lag sicherlich auch daran, dass ich in der Nacht zuvor nicht besonders viel geschlafen hatte. Nach den vergangenen Tagen voller neuer Orte, Gerichte und Begegnungen tat es gut, für einen Moment einfach nichts zu machen.
Anschließend setzte ich mich für zwei bis drei Stunden an den Computer, schnitt Videos, erledigte etwas Arbeit und plante den nächsten Abschnitt meiner Reise. Eigentlich hätte ich danach noch einiges tun können. Doch langsam meldete sich wieder die Angst, draußen etwas zu verpassen.
Also packte mich die FOMO und ich machte mich erneut auf den Weg.
Mein erstes Ziel war die riesige 3D-Katze am Bahnhof Shinjuku. Sie erscheint auf einer großen, gebogenen Werbefläche und wirkt aus dem richtigen Blickwinkel tatsächlich so, als würde sie aus dem Gebäude herausschauen.
Das Video davon findet ihr auf unserem Instagram-Kanal. Dort bekommt man einen ziemlich guten Eindruck davon, wie verblüffend realistisch die Katze wirkt. Offiziell befindet sie sich auf der Cross Shinjuku Vision direkt am östlichen Ausgang des Bahnhofs.
Shinjuku selbst war noch einmal eine völlig andere Erfahrung als Shibuya. Schon Shibuya ist groß, bunt, laut und voller Menschen. Shinjuku schien all das aber noch einmal zu übertreffen.
Überall leuchteten Reklametafeln, aus den Geschäften drangen Geräusche und durch die Straßen bewegten sich ununterbrochen riesige Menschenmengen. Das Zentrum war so weitläufig, dass ich irgendwann das Gefühl hatte, es würde überhaupt nicht mehr aufhören. Bis an sein vermeintliches Ende bin ich jedenfalls nicht gekommen.
Während meines Rundgangs landete ich irgendwann in einer Gegend, die deutlich wilder und etwas verruchter wirkte als die Straßen zuvor. Vermutlich war ich im oder zumindest direkt am Vergnügungsviertel Kabukichō angekommen.
Auf den ersten Blick war nicht immer eindeutig erkennbar, was sich hinter den einzelnen Türen verbarg. Gleichzeitig wurde ich gefühlt alle zehn oder zwanzig Meter angesprochen und gefragt, ob ich etwas kaufen oder irgendwo mitkommen wollte.
Ich ließ mich davon nicht abbringen, denn mitten in diesem Viertel lag mein nächstes Ziel: Golden Gai.
Golden Gai besteht aus schmalen Gassen mit zahlreichen winzigen Bars. Viele davon bieten nur einer Handvoll Gästen Platz. Als ich dort ankam, waren die meisten Lokale bereits so voll, dass ich zunächst überhaupt nicht wusste, wo ich noch unterkommen sollte.
Irgendwann quetschte ich mich in eine der Bars hinein. Besonders spektakulär war sie zwar nicht, aber allein die Atmosphäre in dieser ungewöhnlichen Umgebung war einen Besuch wert.
Bevor ich etwas bestellen konnte, wurde eine Platzgebühr von 1.000 Yen fällig. Solche Gebühren sind in den kleinen Bars von Golden Gai durchaus üblich und werden zusätzlich zu den Getränken berechnet.
Ich trank ein Bier und kam mit einigen anderen Gästen ins Gespräch. Natürlich durfte auch ein Aufkleber unserer Kochschule nicht fehlen. Mittlerweile habe ich mich an mehreren Orten in Japan mit unseren Stickern verewigt.
Irgendwann würde ich gerne noch einmal zurückreisen und nachsehen, welche davon dann noch zu finden sind.
Anschließend ging es wieder in Richtung Bahnhof Shinjuku. Dort probierte ich zum ersten Mal Sushi vom Fließband.
Jeder Gast sitzt an seinem eigenen Platz und bestellt die gewünschten Sushi über ein digitales System. Wenig später kommt die Bestellung auf dem Band direkt angefahren.
Das war nicht nur eine neue Erfahrung, sondern auch geschmacklich richtig gut. Die Qualität lag deutlich über dem, was man in Deutschland üblicherweise bei vergleichbaren Sushi-Konzepten bekommt.
Auch davon findet ihr ein Video auf unserem Instagram-Kanal.
Danach zog es mich in eine Straße, die mir schon zuvor aufgefallen war und die ich später auch online als Empfehlung wiederfand.
Dort reiht sich eine winzige Garküche an die nächste. In den schmalen, alten Lokalen wird Bier getrunken, teilweise noch geraucht und direkt vor den Gästen gegrillt. Besonders häufig sieht man Yakitori und andere kleine Spieße über den offenen Grills.
Genau so stellt man sich traditionelles japanisches Streetfood vor: wenig Platz, viel Rauch, eng zusammensitzende Gäste und überall der Duft von gegrilltem Fleisch und würzigen Saucen.
Ich blieb eine Weile, trank ein Bier, schrieb ein wenig und ließ die Atmosphäre auf mich wirken.
Später machte ich mich auf den Rückweg zum Hotel. Schließlich musste ich am nächsten Morgen bereits um 10 Uhr auschecken.
Weil ich unterwegs noch einmal Hunger bekam, kehrte ich spontan in einen unscheinbaren, noch geöffneten Laden ein. Große Erwartungen hatte ich zunächst nicht. Für umgerechnet ungefähr 2,50 Euro bekam ich dort jedoch eine große Schüssel Reis mit Rindfleisch, Misosuppe und verschiedenen Toppings.
Es war sicherlich nicht das beste Essen meines Lebens. Gemessen am Preis war es aber erstaunlich gut. In Deutschland würde man selbst für zehn Euro an einer beliebigen Straßenecke nur selten eine vergleichbare, vollständige Mahlzeit bekommen.
Danach ging es endgültig ins Bett.
Am nächsten Morgen stand ich relativ früh auf, duschte, packte meine Sachen zusammen und checkte aus. Meinen Koffer konnte ich zunächst noch in der Unterkunft lassen.
Ich suchte mir ein Café in der Nähe, bestellte einen Kaffee und ein überraschend leckeres Sandwich. Danach schnitt ich weitere Videos, schrieb ein wenig, arbeitete am Computer und nahm mir etwas Zeit zum Lesen.
Nach einer kurzen Rückkehr ins Hotel, bei der ich unter anderem mein Handy auflud, begann meine nächste kulinarische Mission: Ich wollte ein traditionelles japanisches Mittagessen probieren.
Ich fand ein Restaurant, in dem klassische japanische Mahlzeiten serviert wurden, wie sie auch viele Einheimische mittags essen. Diese Form des Menüs wird Teishoku genannt.
Dabei wird das Hauptgericht gemeinsam mit Reis, Suppe und mehreren kleinen Beilagen auf einem Tablett serviert. Statt eines einzelnen großen Gerichts bekommt man viele unterschiedliche Geschmäcker und Texturen, die zusammen eine vollständige Mahlzeit ergeben.
Mein Hauptgericht war eine gegrillte Regenbogenforelle. Dazu gab es Reis, Misosuppe, eingelegtes Gemüse und eine sehr leicht marinierte, kalt servierte Gemüsebeilage. Zusätzlich bestellte ich mir eine Umeboshi, eine eingelegte japanische Pflaume.
Jede einzelne Komponente war hervorragend. Der Fisch gehörte sogar zu den besten, die ich bislang in meinem Leben gegessen habe.
Nach dem Essen fragte ich den Koch, ob er nach dem Service vielleicht fünf Minuten Zeit für ein Gespräch hätte. Tatsächlich nahm er sich die Zeit und wir unterhielten uns über die Philosophie der japanischen Küche.
Ich wollte von ihm wissen, was für ihn die wichtigste Zutat beim Kochen ist.
Seine Antwort lautete: Liebe, Leidenschaft, Präzision und der Anspruch, jeden Tag sein Bestes zu geben.
All das sei wichtiger als eine einzelne Zutat. Die eine perfekte Zutat gebe es nicht. Entscheidend seien vielmehr die Haltung des Kochs, seine Sorgfalt und die Leidenschaft, mit der er ein Gericht zubereitet.
Diese Antwort hat mich nachhaltig beeindruckt. Sie beschreibt nicht nur einen wichtigen Teil der japanischen Kochkultur, sondern auch ziemlich genau das, was gutes Kochen grundsätzlich ausmacht.
Zum Abschluss verriet mir der Koch sogar, wie er den unglaublich guten Fisch zubereitet hatte.
Das genaue Rezept werde ich an dieser Stelle natürlich noch nicht weitergeben. Dafür steht nach diesem Essen aber eine wichtige Entscheidung fest: Der Fisch wird das erste Gericht, das einen festen Platz in unserem neuen Japanisch-Kurs bekommt.
Genau aus solchen Erfahrungen entsteht derzeit das Kursmenü. Die Gerichte werden nicht einfach aus Kochbüchern zusammengestellt. Sie basieren auf dem, was ich in Japan probiere, lerne und im direkten Austausch mit Köchen und Einheimischen erfahre.
Wer diese authentischen Eindrücke später selbst schmecken und die entsprechenden Techniken kennenlernen möchte, findet hier alle bereits veröffentlichten Termine:
Nach dem Gespräch kehrte ich noch einmal kurz zum Hotel zurück, holte meinen Koffer und fuhr anschließend nach Ueno. Dort wartete meine nächste Unterkunft und damit wieder ein anderer Teil Tokios auf mich.
Besonders gespannt war ich auf den großen Park des Stadtteils, den ich unbedingt erkunden wollte. Direkt nach meiner Ankunft begann es allerdings so stark zu regnen, dass daraus zunächst nichts wurde.
Also war ich für ungefähr drei Stunden in meiner Unterkunft gefangen und nutzte die Zeit erneut zum Arbeiten und Videoschneiden.
Nachdem der Regen endlich nachgelassen hatte, machte ich mich noch einmal auf den Weg. Mein Ziel war Abura Soba, ein japanisches Nudelgericht, das im Gegensatz zu klassischen Ramen ohne Brühe serviert wird.
Ich hatte mir vorab zwei Lokale herausgesucht, die besonders vielversprechend klangen. Gefunden hatte ich sie über Tabelog, eine japanische Restaurantplattform, die vor allem von Einheimischen genutzt wird.
Die Bewertungen dort funktionieren gefühlt etwas anders als bei Google. Japanische Gäste vergeben fünf Sterne offenbar nur äußerst selten. Selbst Restaurants, unter denen sich begeisterte Kommentare von Stammgästen finden, erreichen deshalb manchmal lediglich Bewertungen um 3,5 Sterne. Für die Restaurantsuche in Japan ist Tabelog daher ein richtig hilfreicher Tipp: Schon ein Wert von mehr als drei Sternen kann auf ein sehr gutes Lokal hindeuten.
Bei meiner Suche hatte ich an diesem Abend trotzdem kein Glück. Beide Abura-Soba-Restaurants, die ich besuchen wollte, waren geschlossen oder für mich nicht auffindbar.
Stattdessen entdeckte ich einen anderen Nudelladen und entschied mich spontan, dort einzukehren. Auch wenn es nicht das ursprünglich gesuchte Abura Soba wurde, sollte sich der Besuch allein wegen der Begegnung mit den Menschen vor Ort lohnen.
Ich kam mit der Köchin ins Gespräch und erzählte ihr von unserer Kochschule, meiner kulinarischen Reise und dem Kurs, der aus den gesammelten Erfahrungen entstehen soll. Später lernte ich auch den Chef des Restaurants kennen. Er wollte unbedingt noch ein gemeinsames Foto mit mir machen.
Solche ungeplanten Begegnungen sind inzwischen ein besonders schöner Teil dieser Reise. Nicht immer finde ich genau das Gericht oder das Restaurant, nach dem ich ursprünglich gesucht habe. Dafür entstehen Gespräche und persönliche Momente, die sich überhaupt nicht planen lassen.
Gegen 21:30 Uhr kehrte ich bereits in mein Hotel zurück. Für meine Verhältnisse war das ausgesprochen früh, doch die vergangenen Tage waren intensiv und voller neuer Eindrücke gewesen.
Außerdem sollte der Wecker am nächsten Morgen schon um 4 Uhr klingeln. Dann wartet ein weiteres großes Highlight auf mich: Ich möchte die Fischauktion auf dem Toyosu-Markt besuchen, dem größten Fischmarkt der Welt.
Dafür wollte ich unbedingt ausgeschlafen und fit sein. Tag 4 endete also ungewöhnlich früh, bevor Tag 5 noch vor Sonnenaufgang beginnen sollte.
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