Nach dem Besuch des Sensō-ji und des Asakusa-Schreins führte mich mein Weg noch einmal zurück in die belebten Straßen von Asakusa. Später ging es weiter nach Meguro und mitten hinein in den japanischen Feierabendverkehr. Der Abend in Shibuya brachte schließlich alles zusammen, was Tokio für mich in den ersten Tagen so faszinierend macht: Menschenmassen, Leuchtreklamen und natürlich noch eine Schüssel Ramen.
Rund um die Tempelanlage gibt es unzählige kleine Geschäfte und Streetfood-Stände. Allein in diesem Bereich sollen sich etwa 90 verschiedene Streetfood-Läden befinden. Dazu kommen kleine Fachgeschäfte, Messerläden und viele weitere Orte, an denen man problemlos mehrere Stunden verbringen kann.
Die Auswahl war entsprechend schwierig. Vieles sah so gut aus, dass ich mich kaum entscheiden konnte. Irgendwann musste ich es aber doch tun und stellte mir eine Mischung aus herzhaften und süßen Spezialitäten zusammen.
Dabei habe ich bewusst klassische Gerichte ausgewählt und moderne Interpretationen zunächst außen vor gelassen. Schließlich bin ich nach Japan gereist, um die traditionelle japanische Küche möglichst authentisch kennenzulernen. Ich möchte verstehen, welche Aromen, Zutaten und Zubereitungsweisen sie auszeichnen und euch diese Eindrücke später auch in unseren Kochkursen vermitteln.
Insgesamt war ich bestimmt drei Stunden in Asakusa unterwegs. Zwischendurch gab es ein Bier, danach ging es wieder zurück zu den Ständen. Ich ließ die Umgebung einfach auf mich wirken, probierte mich durch das Angebot, sammelte Eindrücke und nahm mir auch noch einmal Zeit zum Beten.
Anschließend kehrte ich zu meiner Unterkunft zurück, holte meinen Koffer ab und machte mich auf den Weg nach Meguro.
Meguro liegt direkt neben Shibuya und ist für die kommenden beiden Nächte ein idealer Ausgangspunkt. Einerseits dauert die Fahrt nach Shibuya nur rund sieben Minuten. Andererseits findet hier am nächsten Morgen meine Ramen Class statt, auf die ich mich schon besonders freue.
Nachdem ich meinen Koffer abgestellt hatte, hielt es mich allerdings nicht lange in der neuen Unterkunft. Ich machte mich direkt wieder auf den Weg zum Bahnhof und fuhr im japanischen Feierabendverkehr nach Shibuya.
Der Zug war wirklich extrem voll. Genau dieses berühmte Gedränge wollte ich aber einmal selbst erleben. Mich stören große Menschenmengen ohnehin nicht besonders, daher war die Fahrt für mich eher spannend als unangenehm.
Der Bahnhof Shibuya war deutlich unübersichtlicher, als ich erwartet hatte. Andererseits: Was soll man von einem der wichtigsten Bahnhöfe in der größten Metropolregion der Welt auch anderes erwarten?
Mein eigentliches Ziel war das berühmte Shibuya Crossing. Ich wollte unbedingt erleben, wie bei einer Grünphase Hunderte Menschen gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen über die Kreuzung strömen und natürlich selbst ein Teil davon sein.
Zunächst fand ich allerdings nicht den richtigen Ausgang. Also tat ich das einzig Vernünftige und suchte mir erst einmal etwas zu essen.
Vor einem Restaurant wartete eine auffallend lange Schlange, während es bei den umliegenden Lokalen deutlich ruhiger war. Das schien mir ein gutes Zeichen zu sein und tatsächlich sollte sich das Warten lohnen.
Wegen des großen Andrangs wurde die Bestellung bereits aufgenommen, während wir noch draußen standen. Als ich schließlich einen Platz bekam, musste ich deshalb nur noch drei oder vier Minuten auf mein Essen warten. Ein ziemlich cleveres Konzept: Draußen rechnet man ohnehin mit einer Wartezeit. Sitzt man erst einmal am Tisch und das Essen kommt fast sofort, fühlt sich der Service dagegen unglaublich schnell an.
Ich bestellte knusprig frittiertes Hähnchen. Dafür wurden saftige Stücke aus der Hähnchenkeule offenbar zunächst in einer würzigen Marinade eingelegt, in der ich unter anderem Sojasauce und Reisessig vermutete. Anschließend wurden sie paniert und frittiert. Das Ergebnis war außen unglaublich crunchy und innen wunderbar saftig.
Dazu gab es milden Rettich mit Yuzu. Die japanische Zitrusfrucht brachte eine frische, leicht säuerliche Note ins Gericht und bildete einen schönen Gegenpol zum frittierten Hähnchen.
Begleitet wurde das Ganze von mehreren kleinen Beilagen: Misosuppe, Nudeln, etwas Seitan mit Nüssen und natürlich Reis, von dem man kostenlos nachbestellen konnte.
Alles war lecker und hervorragend zubereitet. Ob ich dafür allerdings genauso lange angestanden hätte wie viele der anderen Gäste, weiß ich nicht. Dafür war es dann doch nicht ganz außergewöhnlich genug. Aber genau solche Erfahrungen gehören zu einer kulinarischen Reise schließlich ebenfalls dazu.
Während des Essens hatte ich herausgefunden, welchen Ausgang ich nehmen musste. Danach ging es endlich zum Shibuya Crossing.
Die Atmosphäre hat mich sofort überwältigt. Shibuya vermittelte mir starke New-York-Vibes, wirkte dabei aber noch bunter und auf seine eigene Art völlig anders. Überall leuchteten Reklametafeln, ein Geschäft war auffälliger als das nächste und durch die Straßen strömten ununterbrochen Hunderte Menschen.
An vielen Stellen fühlte es sich fast so an, als befände man sich dauerhaft auf einer riesigen Kirmes. Dazu kamen zahllose kleine Geschäfte, Seitenstraßen und immer neue Eindrücke. Ich persönlich mag diese Art von Großstadttrubel sehr und hatte unglaublich viel Spaß daran, mich einfach treiben zu lassen.
Nach meinem Rundgang durch die Seitenstraßen kehrte ich in die Bar Baron ein. Dort probierte ich einen japanischen Whisky und trank anschließend noch ein Bier.
Dazu wurde eingelegte Melone gereicht. Diese Kombination klang für mich zunächst etwas ungewöhnlich, passte aber überraschend gut zum Bier. Gerade solche kleinen Begleiter zu Getränken sind interessant, weil sie zeigen, wie selbstverständlich in Japan mit Kontrasten aus Süße, Säure, Salz und Umami gearbeitet wird.
Gegen 23 Uhr suchte ich schließlich nach einem Ramenladen, der noch geöffnet hatte. Meine Wahl fiel auf Ramen Makotoya. Die Kette ist vor allem für ihre cremige Brühe auf Rinderknochenbasis bekannt.
Rind wird für Ramen deutlich seltener verwendet als Schwein oder Huhn. Genau deshalb wollte ich diese Variante unbedingt probieren. Geschmacklich gefiel mir die Schüssel zwar nicht ganz so gut wie meine ersten Ramen in Asakusa, sie war aber trotzdem sehr lecker und eine spannende neue Erfahrung.
Besonders beeindruckend bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine gute Schüssel Ramen kostet hier häufig nur etwa sechs bis sieben Euro. In Deutschland bekommt man selbst für 15 bis 20 Euro nur selten eine vergleichbare Qualität.
Nach einem letzten Spaziergang durch Shibuya fuhr ich mit dem Zug zurück nach Meguro und ging vergleichsweise früh schlafen. Am nächsten Morgen wartet schließlich ein Termin auf mich, auf den ich mich schon sehr freue: Um 9 Uhr beginnt meine Ramen Class.
Dort möchte ich nicht nur essen, sondern selbst lernen, wie authentische japanische Ramen entstehen. Die gewonnenen Erfahrungen werden unmittelbar in die Entwicklung unseres neuen Ramen-Kurses einfließen.
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